StartBocholtBocholter Rat tagt 80 Jahre nach demokratischem Neubeginn

Bocholter Rat tagt 80 Jahre nach demokratischem Neubeginn

Die Bocholter Stadtverordnetenversammlung hat am Mittwoch, 14. Oktober, im St.-Georg-Gymnasium getagt. Anlass war der 80. Jahrestag der ersten freien Kommunalwahl nach dem Zweiten Weltkrieg. In dem Gebäude trat am 30. Oktober 1946 erstmals ein frei gewählter Rat zusammen.

Erster Stadtrat Björn Volmering verband in seiner Rede die Nachkriegsgeschichte mit den aktuellen Aufgaben der Stadt. Die damaligen Stadtverordneten hätten ihr Mandat in einer weitgehend zerstörten Stadt übernommen. Rund 85 Prozent Bocholts waren nach Kriegsende zerstört, auch das Rathaus und der Ratssaal waren schwer beschädigt.

Erinnerung an die Nachkriegszeit

Volmering verwies auf ein Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1945. Darin hatte der damals von der britischen Militärregierung eingesetzte Oberbürgermeister Dr. Wilhelm Benölken erklärt, er wisse nicht, wie die Menschen über den Winter untergebracht werden könnten. Zugleich habe er zugesagt, alles zu versuchen, um die Bocholter in der Stadt zu halten.

Der Erste Stadtrat zog daraus eine Verbindung zur heutigen Kommunalpolitik. Auch heute müsse die Stadt nicht auf jede Frage sofort eine Antwort haben, sich aber um Lösungen bemühen, die der Lage der Menschen gerecht würden. Hinweise auf Missstände dürften dabei nicht als Störung geordneter Verwaltungsarbeit verstanden werden.

Haushalt 2027 und begrenzte Spielräume

Mit Blick auf den Haushalt 2027 sprach Volmering von zahlreichen notwendigen Investitionen und Infrastrukturaufgaben. Gleichzeitig seien die finanziellen Spielräume durch die Haushaltslage und die Schuldenbelastung begrenzt. Wohnraum, Schulen und Kitas, moderne Infrastruktur, Klimaschutz sowie Brand- und Katastrophenschutz müssten mit einer verantwortbaren Finanzierung in Einklang gebracht werden.

Es sei unredlich, den Eindruck zu erwecken, sämtliche Erwartungen könnten gleichzeitig erfüllt werden, sagte Volmering. Die Verwaltung wolle deshalb nachvollziehbare Prioritäten setzen und Abläufe sowie Standards überprüfen. Solide Finanzen und soziale Verantwortung dürften dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Sorge um gesellschaftlichen Zusammenhalt

Als weitere zentrale Aufgabe nannte Volmering den Zusammenhalt in Bocholt. Er beobachte mit Sorge, dass das Vertrauen in Institutionen und das Gefühl der Zugehörigkeit abnähmen. Das zeige sich unter anderem bei älteren Menschen mit weniger sozialen Kontakten, bei Familien mit großen Belastungen und bei jungen Menschen, die keinen Platz in der Stadt sähen.

Die Stadt müsse deshalb über die Grenzen einzelner Fachbereiche hinausdenken. Gute Entwicklungschancen und Teilhabe dürften nicht davon abhängen, in welchem Quartier jemand wohne. Für die anstehenden Beratungen warb Volmering zudem für eine faire Auseinandersetzung in der Sache.

Rat von 1946 hatte 27 Mitglieder

Die am 13. Oktober 1946 gewählte Stadtverordnetenversammlung zählte 27 Mitglieder, darunter vier Frauen. Die CDU stellte 14 Sitze, die SPD zehn, das Zentrum zwei und die KPD einen. In der ersten Sitzung wählte der Rat Dr. Wilhelm van Laak zum Oberbürgermeister. Er folgte auf Dr. Wilhelm Benölken.

Eine Gedenktafel am St.-Georg-Gymnasium erinnert heute an die Wahl und die erste Sitzung des frei gewählten Rates. Die Rede von Björn Volmering ist nach Angaben der Stadt im Wortlaut auf ihrer Internetseite abrufbar.

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