StartBocholtBocholter Stadtarchiv zeigt Bahnhofstraße um 1915

Bocholter Stadtarchiv zeigt Bahnhofstraße um 1915

Das Bocholter Stadtarchiv zeigt im Oktober 2026 eine historische Aufnahme der Bahnhofstraße. Das Foto entstand um 1915 und blickt vom östlichen Ende der Straße in Richtung Westen.

Die Bahnhofstraße wurde 1881 als Zugang zum Bahnhof angelegt. Dieser war bereits 1878 mit dem Schienennetz nach Wesel verbunden worden. Auf der Aufnahme sind vor allem die im Stil des Historismus errichteten Fabrikantenhäuser an der nördlichen Straßenseite zu sehen. Im Hintergrund ragt der Turm der St.-Josef-Kirche auf.

„Einzige Avenue“ der Stadt

Auf der nördlichen Seite der Straße standen unter anderem die Villen des jüdischen Kaufmanns Emil Cohen und des jüdischen Fabrikanten Iwan Magnus. Eine weitere Villa war von Heinrich Budenberg errichtet und 1909 an den jüdischen Industriellen Max Cohen verkauft worden.

Die südliche Straßenseite war dagegen vor allem von einer Baumreihe geprägt. Als die Stadtverordneten 1904 deren Fällung beschlossen, protestierten die Anwohner. Der Beschluss wurde schließlich nicht umgesetzt. Die Bewohner konnten ihre Straße daher weiterhin als „einzige Avenue“ bezeichnen.

Die Villa Emil Cohens wurde 1927 von der Stadt angekauft und diente anschließend als Dienstwohnung des Oberbürgermeisters. Ab 1936 nutzten die Nationalsozialisten das Gebäude als Domizil für die örtliche Hitler-Jugend. Bei einem Bombenangriff 1945 wurde es zerstört; die Ruine wurde 1960 beseitigt.

Foto: Stadtarchiv Bocholt, Bildsammlung Nr. 523. Text: Wolfgang Tembrink.

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